Offsite-PPA: Strom aus einem Wind- oder Solarpark

Beim Offsite-PPA steht die Anlage an einem anderen Ort und liefert bilanziell über das öffentliche Netz. Das ist die in Deutschland verbreitetste PPA-Form: standortunabhängig, skalierbar, aber mit Profil- und Mengenrisiken, die vertraglich sauber geregelt sein müssen.

Definition

Was ist ein Offsite-PPA?

Ein Offsite-PPA ist ein langfristiger Stromliefervertrag mit dem Betreiber einer erneuerbaren Erzeugungsanlage, die nicht auf Ihrem Betriebsgelände steht. Die Anlage speist in das öffentliche Netz ein, Sie entnehmen aus dem Netz, und der Vertrag ordnet Ihnen die Erzeugung dieser konkreten Anlage bilanziell zu.

Damit ist das Offsite-PPA das Gegenstück zum Onsite-PPA: Es verzichtet auf den Kostenvorteil der Direktleitung, gewinnt dafür aber Standortunabhängigkeit und Zugang zu Anlagengrößen, die auf einem Betriebsgelände nie realisierbar wären.

In Deutschland ist dies die mit Abstand verbreitetste PPA-Form. Der Grund ist praktisch: Die wenigsten Industriestandorte haben genügend Fläche, um einen relevanten Anteil ihres Verbrauchs vor Ort zu erzeugen.

5-15
Jahre
Typische Vertragslaufzeit
ab 10
GWh/Jahr
Praktische Untergrenze für den Direktabschluss
3
Lieferprofile
Pay-as-Produced, Pay-as-Forecast, Baseload
100 %
Anlagenbezug
Herkunftsnachweise aus einer konkreten Anlage
Lieferweg

Wie der Strom bilanziell zu Ihnen gelangt

Die häufigste Rückfrage zum Offsite-PPA lautet, ob man denn „wirklich" den Strom aus diesem Windpark bekommt. Physikalisch: nein. In einem Wechselstromnetz lässt sich nicht nachverfolgen, welches Elektron wo entnommen wird. Wirtschaftlich und bilanziell: ja, und darauf kommt es an.

Die Anlage speist ein und erzeugt eine messbare Menge. Ein Direktvermarkter oder Ihr Lieferant überführt diese Menge in Ihren Bilanzkreis, übernimmt die Fahrplanabwicklung und gleicht Abweichungen aus. Dieser Vorgang wird als Sleeving bezeichnet.

Praktisch bedeutet das: An einem Offsite-PPA sind fast immer drei Parteien beteiligt, nicht zwei. Die Dienstleistung des Vermarkters ist ein eigener Kostenbestandteil, der im Angebot oft nicht getrennt ausgewiesen wird. Genau deshalb sollte man ihn getrennt bewerten.

Wie wir Beschaffung ausschreiben
1
Erzeugung und Einspeisung

Der Wind- oder Solarpark speist in das öffentliche Netz ein. Die erzeugte Menge wird viertelstundenscharf gemessen.

2
Bilanzkreisüberführung

Ein Direktvermarkter führt die Menge in Ihren Bilanzkreis über und übernimmt die Fahrplananmeldung gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber.

3
Ausgleich der Differenz

Erzeugung und Verbrauch stimmen nie exakt überein. Fehlmengen werden beschafft, Überschüsse vermarktet, je nach Lieferprofil durch Sie oder durch den Vermarkter.

4
Herkunftsnachweise

Die zur Menge gehörenden Herkunftsnachweise werden im Register des Umweltbundesamtes auf Sie übertragen und entwertet. Erst das macht den Grünstrombezug belegbar.

Lieferprofile im Vergleich, geordnet nach dem Profilrisiko von links beim Abnehmer bis rechts beim Erzeuger.
Merkmal Pay-as-ProducedPay-as-ForecastBaseload
Profilrisiko liegt bei Ihnenbeiden Seitendem Erzeuger
Arbeitspreis am niedrigstendazwischenam höchsten
Planbarkeit der Lieferung geringmittelhoch
Was geliefert wird genau die erzeugte Menge, viertelstundengenaudie im Voraus gemeldete Prognosemengeeine konstante Bandlieferung
Wer gleicht Abweichungen aus Sie, am Spotmarktvertraglich geregelter Mechanismusder Vermarkter

Worauf es jeweils ankommt

Pay-as-Produced: Fehlmengen kaufen Sie zu, wenn der Markt teuer ist, und vermarkten Überschüsse, wenn er billig ist. Der niedrige Arbeitspreis ist kein Vorteil, wenn Ihr Lastprofil nicht passt.

Pay-as-Forecast: Der Erzeuger übernimmt einen Teil des Prognoserisikos und lässt sich das über einen Aufschlag bezahlen. Wie Abweichungen abgerechnet werden, ist der entscheidende Vertragspunkt.

Baseload: Die Glättung ist eine Dienstleistung, die im Arbeitspreis steckt. Sie ist nicht umsonst, nur unsichtbar.

Der belastbare Vergleich entsteht erst, wenn man die Angebote gegen den eigenen Lastgang rechnet: Viertelstunde für Viertelstunde, über ein vollständiges Jahr.

Was den Preis bewegt

Diese beiden wirken über die gesamte Laufzeit auf die Wirtschaftlichkeit. Über Preisstruktur und Lieferprofil lässt sich steuern, wer sie trägt, vermeiden lassen sie sich aber nicht. Was bei Ihnen verbleibt, gehört deshalb in die Bewertung des Angebots.

Festpreis gegen fallenden Markt
Der vereinbarte Preis gilt für die gesamte Laufzeit, während sich der Börsenpreis frei bewegt. Liegt er über Jahre darunter, zahlen Sie mehr, als Sie am Markt zahlen würden. Das ist die Kehrseite der Absicherung gegen steigende Preise und kein Fehler im Vertrag. Abmildern lässt es sich über die Preisstruktur, etwa mit Preisbändern, und indem Sie nur einen Teil Ihres Bedarfs über das PPA decken.
Profilmismatch (Shape Risk)
Solarerzeugung fällt mittags und im Sommer an, Ihr Verbrauch verläuft gleichmäßiger. Fehlmengen kaufen Sie in Stunden mit wenig Erzeugung zu, wenn der Markt teuer ist. Überschüsse verkaufen Sie, wenn alle Anlagen gleichzeitig liefern und der Preis entsprechend niedrig ist. Mit jedem weiteren Zubau wächst dieser Abstand (Kannibalisierung). Bei Pay-as-Produced tragen Sie ihn selbst, bei Baseload steckt er im Preis. Wie groß er ausfällt, zeigt erst die Gegenüberstellung von Erzeugungs- und Lastgangdaten.

Woran Sie sich binden

Diese vier entstehen nicht am Markt, sondern im Vertrag. Sie sind damit der Teil, den Sie vor der Unterschrift tatsächlich gestalten können.

Volumenrisiko über die Laufzeit
Ihre Abnahmeverpflichtung besteht auch dann fort, wenn der eigene Bedarf sinkt. Richten Sie die kontrahierte Menge deshalb am dauerhaft gesicherten Sockelbedarf aus, nicht am heutigen Gesamtverbrauch. Toleranzbänder oder ein Ausstiegsrecht, etwa bei Schließung eines Standorts, sind Verhandlungssache.
Stunden mit negativen Preisen
Bei hoher Wind- und Solareinspeisung fällt der Börsenpreis inzwischen regelmäßig unter null. Läuft die Anlage dann weiter, nehmen Sie Strom zum Festpreis ab, den Sie als Überschuss nur gegen Zuzahlung wieder loswerden. Wird sie abgeregelt, fehlt die Menge, und es kommt darauf an, ob Sie sie trotzdem vergüten. Welche Variante gilt und wer die Kosten trägt, muss der Vertrag eindeutig regeln.
Sicherheiten
Bei einer neu zu errichtenden Anlage finanzieren Ihre künftigen Zahlungen das Projekt. Erzeuger und Banken verlangen deshalb Sicherheiten wie Bankbürgschaften oder Konzerngarantien, die Kreditlinien binden. Höhe, Form und ob sie über die Laufzeit abschmelzen, lassen sich verhandeln.
Verzug bei der Inbetriebnahme
Neue Parks gehen selten pünktlich ans Netz: Genehmigung, Netzanschluss und Lieferketten verschieben den Termin. Bis dahin decken Sie den Bedarf anderweitig, womöglich teurer als geplant. Ob der Erzeuger diese Differenz ersetzt, ab wann und bis zu welcher Grenze, gehört vor die Unterschrift, ebenso ein Rücktrittsrecht bei langem Verzug.

Offsite-PPA-Angebote belastbar vergleichen

Wir rechnen Angebote gegen Ihren tatsächlichen Lastgang, bewerten Lieferprofil und Vermarktungskosten getrennt und sagen Ihnen, welcher Anteil Ihres Bedarfs sich für ein PPA eignet.

PPA-Potenzial ermitteln