Offsite-PPA: Strom aus einem Wind- oder Solarpark
Beim Offsite-PPA steht die Anlage an einem anderen Ort und liefert bilanziell über das öffentliche Netz. Das ist die in Deutschland verbreitetste PPA-Form: standortunabhängig, skalierbar, aber mit Profil- und Mengenrisiken, die vertraglich sauber geregelt sein müssen.
Was ist ein Offsite-PPA?
Ein Offsite-PPA ist ein langfristiger Stromliefervertrag mit dem Betreiber einer erneuerbaren Erzeugungsanlage, die nicht auf Ihrem Betriebsgelände steht. Die Anlage speist in das öffentliche Netz ein, Sie entnehmen aus dem Netz, und der Vertrag ordnet Ihnen die Erzeugung dieser konkreten Anlage bilanziell zu.
Damit ist das Offsite-PPA das Gegenstück zum Onsite-PPA: Es verzichtet auf den Kostenvorteil der Direktleitung, gewinnt dafür aber Standortunabhängigkeit und Zugang zu Anlagengrößen, die auf einem Betriebsgelände nie realisierbar wären.
In Deutschland ist dies die mit Abstand verbreitetste PPA-Form. Der Grund ist praktisch: Die wenigsten Industriestandorte haben genügend Fläche, um einen relevanten Anteil ihres Verbrauchs vor Ort zu erzeugen.
Wie der Strom bilanziell zu Ihnen gelangt
Die häufigste Rückfrage zum Offsite-PPA lautet, ob man denn „wirklich" den Strom aus diesem Windpark bekommt. Physikalisch: nein. In einem Wechselstromnetz lässt sich nicht nachverfolgen, welches Elektron wo entnommen wird. Wirtschaftlich und bilanziell: ja, und darauf kommt es an.
Die Anlage speist ein und erzeugt eine messbare Menge. Ein Direktvermarkter oder Ihr Lieferant überführt diese Menge in Ihren Bilanzkreis, übernimmt die Fahrplanabwicklung und gleicht Abweichungen aus. Dieser Vorgang wird als Sleeving bezeichnet.
Praktisch bedeutet das: An einem Offsite-PPA sind fast immer drei Parteien beteiligt, nicht zwei. Die Dienstleistung des Vermarkters ist ein eigener Kostenbestandteil, der im Angebot oft nicht getrennt ausgewiesen wird. Genau deshalb sollte man ihn getrennt bewerten.
Wie wir Beschaffung ausschreibenDer Wind- oder Solarpark speist in das öffentliche Netz ein. Die erzeugte Menge wird viertelstundenscharf gemessen.
Ein Direktvermarkter führt die Menge in Ihren Bilanzkreis über und übernimmt die Fahrplananmeldung gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber.
Erzeugung und Verbrauch stimmen nie exakt überein. Fehlmengen werden beschafft, Überschüsse vermarktet, je nach Lieferprofil durch Sie oder durch den Vermarkter.
Die zur Menge gehörenden Herkunftsnachweise werden im Register des Umweltbundesamtes auf Sie übertragen und entwertet. Erst das macht den Grünstrombezug belegbar.
Pay-as-Produced, Pay-as-Forecast oder Baseload?
Die Wahl des Lieferprofils entscheidet, wer das Risiko schwankender Erzeugung trägt, und ist damit wirtschaftlich bedeutsamer als der verhandelte Arbeitspreis allein. Die Spalten sind danach geordnet: Links liegt das Profilrisiko beim Abnehmer, rechts beim Erzeuger. Was links am Arbeitspreis gespart wird, zahlt sich rechts in Planbarkeit aus.
| Merkmal | Pay-as-Produced | Pay-as-Forecast | Baseload |
|---|---|---|---|
| Profilrisiko liegt bei | Ihnen | beiden Seiten | dem Erzeuger |
| Arbeitspreis | am niedrigsten | dazwischen | am höchsten |
| Planbarkeit der Lieferung | gering | mittel | hoch |
| Was geliefert wird | genau die erzeugte Menge, viertelstundengenau | die im Voraus gemeldete Prognosemenge | eine konstante Bandlieferung |
| Wer gleicht Abweichungen aus | Sie, am Spotmarkt | vertraglich geregelter Mechanismus | der Vermarkter |
Worauf es jeweils ankommt
Pay-as-Produced: Fehlmengen kaufen Sie zu, wenn der Markt teuer ist, und vermarkten Überschüsse, wenn er billig ist. Der niedrige Arbeitspreis ist kein Vorteil, wenn Ihr Lastprofil nicht passt.
Pay-as-Forecast: Der Erzeuger übernimmt einen Teil des Prognoserisikos und lässt sich das über einen Aufschlag bezahlen. Wie Abweichungen abgerechnet werden, ist der entscheidende Vertragspunkt.
Baseload: Die Glättung ist eine Dienstleistung, die im Arbeitspreis steckt. Sie ist nicht umsonst, nur unsichtbar.
Der belastbare Vergleich entsteht erst, wenn man die Angebote gegen den eigenen Lastgang rechnet: Viertelstunde für Viertelstunde, über ein vollständiges Jahr.
Was über die Wirtschaftlichkeit eines Offsite-PPA entscheidet
Keines dieser Risiken spricht gegen ein PPA. Sie zerfallen aber in zwei Gruppen, und der Unterschied entscheidet, was Sie damit überhaupt tun können.
Was den Preis bewegt
Diese beiden wirken über die gesamte Laufzeit auf die Wirtschaftlichkeit. Über Preisstruktur und Lieferprofil lässt sich steuern, wer sie trägt, vermeiden lassen sie sich aber nicht. Was bei Ihnen verbleibt, gehört deshalb in die Bewertung des Angebots.
- Festpreis gegen fallenden Markt
- Der vereinbarte Preis gilt für die gesamte Laufzeit, während sich der Börsenpreis frei bewegt. Liegt er über Jahre darunter, zahlen Sie mehr, als Sie am Markt zahlen würden. Das ist die Kehrseite der Absicherung gegen steigende Preise und kein Fehler im Vertrag. Abmildern lässt es sich über die Preisstruktur, etwa mit Preisbändern, und indem Sie nur einen Teil Ihres Bedarfs über das PPA decken.
- Profilmismatch (Shape Risk)
- Solarerzeugung fällt mittags und im Sommer an, Ihr Verbrauch verläuft gleichmäßiger. Fehlmengen kaufen Sie in Stunden mit wenig Erzeugung zu, wenn der Markt teuer ist. Überschüsse verkaufen Sie, wenn alle Anlagen gleichzeitig liefern und der Preis entsprechend niedrig ist. Mit jedem weiteren Zubau wächst dieser Abstand (Kannibalisierung). Bei Pay-as-Produced tragen Sie ihn selbst, bei Baseload steckt er im Preis. Wie groß er ausfällt, zeigt erst die Gegenüberstellung von Erzeugungs- und Lastgangdaten.
Woran Sie sich binden
Diese vier entstehen nicht am Markt, sondern im Vertrag. Sie sind damit der Teil, den Sie vor der Unterschrift tatsächlich gestalten können.
- Volumenrisiko über die Laufzeit
- Ihre Abnahmeverpflichtung besteht auch dann fort, wenn der eigene Bedarf sinkt. Richten Sie die kontrahierte Menge deshalb am dauerhaft gesicherten Sockelbedarf aus, nicht am heutigen Gesamtverbrauch. Toleranzbänder oder ein Ausstiegsrecht, etwa bei Schließung eines Standorts, sind Verhandlungssache.
- Stunden mit negativen Preisen
- Bei hoher Wind- und Solareinspeisung fällt der Börsenpreis inzwischen regelmäßig unter null. Läuft die Anlage dann weiter, nehmen Sie Strom zum Festpreis ab, den Sie als Überschuss nur gegen Zuzahlung wieder loswerden. Wird sie abgeregelt, fehlt die Menge, und es kommt darauf an, ob Sie sie trotzdem vergüten. Welche Variante gilt und wer die Kosten trägt, muss der Vertrag eindeutig regeln.
- Sicherheiten
- Bei einer neu zu errichtenden Anlage finanzieren Ihre künftigen Zahlungen das Projekt. Erzeuger und Banken verlangen deshalb Sicherheiten wie Bankbürgschaften oder Konzerngarantien, die Kreditlinien binden. Höhe, Form und ob sie über die Laufzeit abschmelzen, lassen sich verhandeln.
- Verzug bei der Inbetriebnahme
- Neue Parks gehen selten pünktlich ans Netz: Genehmigung, Netzanschluss und Lieferketten verschieben den Termin. Bis dahin decken Sie den Bedarf anderweitig, womöglich teurer als geplant. Ob der Erzeuger diese Differenz ersetzt, ab wann und bis zu welcher Grenze, gehört vor die Unterschrift, ebenso ein Rücktrittsrecht bei langem Verzug.
Häufige Fragen zum Offsite-PPA
Wie kommt der Strom aus einem Offsite-PPA in meinen Betrieb?
Physisch nicht direkt, und das ist kein Mangel, sondern die Funktionsweise. Der Strom aus der Anlage wird in das öffentliche Netz eingespeist, Sie entnehmen Strom aus demselben Netz. Die Verbindung entsteht bilanziell: Ein Direktvermarkter oder Lieferant führt die Erzeugungsmenge in Ihren Bilanzkreis über und übernimmt die Fahrplanabwicklung. Man spricht dabei von Sleeving. Deshalb ist an einem Offsite-PPA fast immer ein Dritter beteiligt, und dessen Leistung ist ein eigener Preisbestandteil, den man getrennt bewerten sollte.
Was bedeutet Pay-as-Produced?
Pay-as-Produced heißt, dass Sie exakt die Menge abnehmen und bezahlen, die die Anlage in der jeweiligen Viertelstunde tatsächlich erzeugt hat, mit allen Schwankungen. Das ist die verbreitetste und im reinen Preis günstigste Variante, weil der Erzeuger kein Profilrisiko übernimmt und daher keine Prämie dafür verlangt. Der Preis, den Sie dafür zahlen, steht an anderer Stelle: Sie müssen Fehlmengen am Spotmarkt zukaufen, typischerweise dann, wenn wenig erneuerbarer Strom im Markt und der Preis entsprechend hoch ist. Und Sie müssen Überschüsse vermarkten, typischerweise dann, wenn viel erneuerbarer Strom im Markt und der Preis niedrig ist. Ob Pay-as-Produced für Sie günstiger ist als eine geglättete Lieferung, entscheidet sich am Verhältnis zwischen Ihrem Lastprofil und dem Erzeugungsprofil der Anlage.
Was ist der Unterschied zwischen einem Offsite-PPA und einem normalen Stromliefervertrag?
Ein klassischer Stromliefervertrag verpflichtet Ihren Lieferanten, jede benötigte Kilowattstunde zu liefern; woher sie stammt, ist offen und der Preis gilt meist für ein bis drei Jahre. Ein Offsite-PPA bindet Sie dagegen an eine konkrete Erzeugungsanlage, über eine deutlich längere Laufzeit von typischerweise fünf bis fünfzehn Jahren, und liefert die Menge, die diese Anlage erzeugt. Daraus folgt der wesentliche Unterschied: Ein PPA ersetzt Ihren Liefervertrag in aller Regel nicht, sondern deckt einen Teil Ihres Bedarfs ab. Der Rest wird weiterhin klassisch beschafft.
Welche Bonität und welches Volumen sind erforderlich?
Bei einem PPA mit einer neu zu errichtenden Anlage bilden Ihre künftigen Zahlungen die Grundlage der Projektfinanzierung. Entsprechend prüfen Erzeuger und finanzierende Banken Ihre Bonität über die gesamte Laufzeit; Sicherheiten wie Bankbürgschaften oder Konzerngarantien sind üblich. Für den direkten Abschluss mit einem Projektentwickler sind Jahresverbräuche ab etwa 10 GWh die praktische Untergrenze. Unterhalb davon führen aggregierte Strukturen und Pooling-Modelle zum Ziel, bei denen mehrere Abnehmer gemeinsam eine Anlage kontrahieren.
Was passiert, wenn unser Verbrauch während der Laufzeit sinkt?
Das ist eines der am meisten unterschätzten Risiken langer PPA-Laufzeiten. Ein PPA verpflichtet Sie zur Abnahme beziehungsweise Bezahlung der vereinbarten Menge, unabhängig davon, ob Ihr Bedarf noch besteht. Sinkt der Verbrauch durch Effizienzmaßnahmen, Produktionsverlagerung oder Konjunktur, bleiben Sie in der Pflicht und müssen die überschüssige Menge vermarkten. Deshalb sollte die kontrahierte Menge nicht am heutigen Verbrauch ausgerichtet werden, sondern an dem Anteil, der auch in einem pessimistischen Szenario sicher benötigt wird.
Wann ist ein Offsite-PPA einem Onsite-PPA vorzuziehen?
Immer dann, wenn der Standort die Erzeugung nicht hergibt: keine geeigneten Flächen, ungünstiges Lastprofil, angemietete Liegenschaft oder ein Bedarf, der die vor Ort mögliche Erzeugung deutlich übersteigt. Ein Offsite-PPA ist standortunabhängig und praktisch beliebig skalierbar, weil es Zugang zu großen Wind- und Solarparks eröffnet. Der Preis dafür: Die netznutzungsabhängigen Kostenbestandteile fallen weiterhin an, während sie beim Onsite-PPA für die direkt gelieferte Menge entfallen.
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