Steuern & Umlagen senken für Industrie und Gewerbe
Die Stromrechnung enthält zahlreiche Umlagen und Abgaben mit gesetzlichen Entlastungsmöglichkeiten. Wer die Fristen und Voraussetzungen kennt, zahlt dauerhaft weniger.
Stromkosten Industrie: Mehr als nur Energie- und Netzkosten
Die deutsche Stromrechnung enthält neben dem eigentlichen Energiepreis und den Netzentgelten eine Reihe weiterer Umlagen und Abgaben: KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, § 19-Umlage und Konzessionsabgabe sind nur einige davon.
Für viele dieser Positionen existieren gesetzliche Entlastungsmechanismen, die an konkrete Voraussetzungen und Antragsfristen geknüpft sind. Besondere Ausgleichsregelung, Carbon-Leakage-Schutz und korrekte Meldungen gegenüber Netzbetreibern können zusammen erhebliche Beträge ausmachen.
Wir prüfen systematisch, welche Entlastungen für Ihr Unternehmen in Frage kommen, und begleiten die Antragstellung beim BAFA sowie die Meldungen gegenüber Netzbetreibern und Lieferanten.
Sechs Hebel auf dem Prüfstand
Jede dieser Positionen in Ihrer Stromrechnung bietet unter bestimmten Voraussetzungen eine gesetzliche Entlastungsmöglichkeit.
Besondere Ausgleichsregelung (BesAR)
Stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes können eine Begrenzung der KWKG-Umlage und der Offshore-Netzumlage beantragen. Antrag beim BAFA jährlich bis zum 30. Juni für das Folgejahr.
§ 19 StromNEV-Umlage: Meldepflicht nutzen
Letztverbraucher, die Strom nicht an Dritte weitergeben, zahlen ab 1 GWh Jahresverbrauch eine reduzierte § 19-Umlage. Voraussetzung ist die jährliche Meldung an den Netzbetreiber. Wer die Frist versäumt, verliert die Reduzierung.
Carbon-Leakage-Schutz
Unternehmen in bestimmten Sektoren erhalten eine staatliche Beihilfe (Strompreiskompensation) für die indirekten CO2-Kosten, die durch den EU-Emissionshandel im Strompreis entstehen. Antrag jährlich bei der DEHSt bis zum 30. Juni.
Konzessionsabgabe
Für Sondervertragskunden mit einer maximalen Leistung über 30 kW gilt ein reduzierter Konzessionsabgabensatz gegenüber dem Tarifkundensatz. Häufig wird dies nicht korrekt in der Abrechnung berücksichtigt.
Offshore-Netzumlage
Die Offshore-Netzumlage finanziert den Ausbau der Offshore-Windnetzanbindung. Unternehmen, die unter die BesAR fallen, zahlen auch hier einen erheblich reduzierten Satz.
Industriestrompreis
Stromkostenintensive Unternehmen in 91 berechtigten Sektoren erhalten ab 2026 eine Subvention von bis zu 5 ct/kWh auf 50 % ihres Verbrauchs. Antrag beim BAFA, Gegenleistung: 50 % der Fördersumme in Dekarbonisierungsmaßnahmen reinvestieren.
BesAR: Wer kann antragen und wie?
Die BesAR nach dem Energiefinanzierungsgesetz (EnFG) richtet sich an Unternehmen, deren WZ-2008-Code in der Anlage 2 zum EnFG aufgeführt ist. Eine individuelle Stromkostenintensitätsprüfung ist nicht mehr erforderlich. Zusätzlich muss der Jahresstromverbrauch an einer Abnahmestelle mindestens 1 GWh betragen und ein zertifiziertes Energiemanagementsystem (ISO 50001 oder EMAS) vorliegen.
Der Antrag wird jährlich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt. Die Antragsfrist endet am 30. Juni für das jeweils folgende Abrechnungsjahr. Wird die Frist versäumt, entfällt die Privilegierung für das nächste Jahr vollständig.
Aktuell wirkt sich die BesAR auf die KWKG-Umlage und die Offshore-Netzumlage aus. Die EEG-Umlage wurde zum 1. Januar 2023 vollständig abgeschafft und ist nicht mehr Bestandteil der BesAR.
Wir prüfen, ob Ihr WZ-2008-Code in der Anlage 2 EnFG gelistet ist, der Mindestverbrauch von 1 GWh erreicht wird und ein geeignetes Energiemanagementsystem vorliegt.
BAFA-Anträge erfordern testierte Nachweise zur Bruttowertschöpfung und zum Stromverbrauch. Wir bereiten alle relevanten Unterlagen vor.
Wir stellen den Antrag fristgerecht beim BAFA, verfolgen den Bearbeitungsstand und klären etwaige Rückfragen der Behörde.
Beihilfe für indirekte CO2-Kosten
Im europäischen Emissionshandel (EU-ETS) müssen Stromerzeuger CO2-Zertifikate kaufen. Diese Kosten geben sie über höhere Strompreise weiter. Unternehmen in bestimmten Branchen, bei denen dieses Risiko zur Verlagerung von Produktion ins Ausland führen könnte, erhalten eine staatliche Beihilfe zum Ausgleich dieser indirekten CO2-Kosten.
Die Beihilfe (Strompreiskompensation, SPK) richtet sich nach der Produktionsmenge, einem sektorspezifischen Stromeffizienz-Benchmark, einem geografischen CO2-Emissionsfaktor und dem EUA-Marktpreis des jeweiligen Jahres. Sie wird jährlich bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) beantragt und kann für Branchen wie Aluminium, Stahl, Chemie oder Papier signifikante Beträge ausmachen.
Neu ab 2026: bis zu 5 ct/kWh Subvention
Mit dem Industriestrompreis wurde 2026 ein neues Förderinstrument eingeführt. Grundlage ist der EU-CISAF-Rahmen (Clean Industrial State Aid Framework), den die EU-Kommission am 25. Juni 2025 verabschiedet hat. Berechtigt sind Unternehmen in 91 Sektoren der KUEBLL-Teilliste 1 mit einem Jahresstromverbrauch von mindestens 1 GWh.
Die Subvention beträgt bis zu 5 ct/kWh und deckt 50 % des Jahresverbrauchs. Als Gegenleistung müssen mindestens 50 % der erhaltenen Fördersumme innerhalb von 48 Monaten nachweislich in Dekarbonisierungsmaßnahmen fließen (z.B. erneuerbare Energien, Speicher, Elektrolyse, Energieeffizienz). Antrag und Abwicklung laufen über das BAFA.
Wichtig: Industriestrompreis und Strompreiskompensation (SPK) schließen sich für dasselbe Abrechnungsjahr gegenseitig aus. Welches Instrument vorteilhafter ist, muss im Einzelfall geprüft werden.
Reduzierung durch fristgerechte Meldung
Die § 19-Umlage wird von allen Letztverbrauchern gezahlt, um die Kosten der Netzentgeltprivilegierungen nach § 19 StromNEV zu finanzieren. Unternehmen, die den bezogenen Strom ausschließlich selbst verbrauchen und nicht an Dritte weitergeben, zahlen ab einem Jahresverbrauch von 1 GWh einen reduzierten Umlagensatz.
Die Reduzierung greift jedoch nur, wenn das Unternehmen dem Netzbetreiber jährlich meldet, dass kein Strom an Dritte weitergegeben wird. Die Meldefrist ist zwingend zu beachten. Wer sie versäumt, zahlt die volle § 19-Umlage, obwohl eine Reduzierung dem Grunde nach möglich wäre.
Wir prüfen, ob Ihr Unternehmen die Voraussetzungen für eine Reduzierung erfüllt, und sorgen für die fristgerechte Meldung.
Sie finanziert die Kosten der Netzentgeltprivilegierungen nach § 19 StromNEV. Alle Letztverbraucher zahlen sie als Aufschlag auf das Netzentgelt.
Letztverbraucher, die Strom ausschließlich selbst verbrauchen und nicht an Dritte weitergeben, zahlen ab 1 GWh Jahresverbrauch einen reduzierten Umlagensatz.
Die volle Umlage wird fällig, auch wenn dem Grunde nach eine Reduzierung möglich wäre. Rückwirkende Korrekturen sind in der Regel nicht möglich.
Steuern & Umlagen: Ihre Fragen
Was ist die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR)?
Die BesAR nach dem Energiefinanzierungsgesetz (EnFG) ermöglicht bestimmten Unternehmen eine Begrenzung der KWKG-Umlage und der Offshore-Netzumlage. Die EEG-Umlage wurde zum 1. Januar 2023 vollständig abgeschafft. Voraussetzung sind: Zugehörigkeit zu einem in der Anlage 2 EnFG gelisteten WZ-2008-Code, ein Jahresstromverbrauch von mindestens 1 GWh an einer Abnahmestelle sowie ein zertifiziertes Energiemanagementsystem (ISO 50001 oder EMAS). Der Antrag wird jährlich bis zum 30. Juni beim BAFA gestellt.
Was ist der Carbon-Leakage-Schutz bei Stromkosten?
Unternehmen in bestimmten Sektoren erhalten eine Strompreiskompensation (SPK) für die indirekten CO2-Kosten, die durch den EU-Emissionshandel im Strompreis entstehen. Stromerzeuger müssen CO2-Zertifikate kaufen und geben diese Kosten über höhere Strompreise weiter. Die Beihilfe gleicht diesen Effekt für Sektoren mit hohem Verlagerungsrisiko (Carbon Leakage) teilweise aus. Zuständig ist die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) beim Umweltbundesamt. Der Antrag für ein Abrechnungsjahr muss bis zum 30. Juni des Folgejahres gestellt werden.
Welche Fristen gelten für die BesAR und den Carbon-Leakage-Antrag?
Die Fristen sind identisch, die Behörden unterschiedlich: Die BesAR wird beim BAFA beantragt, der Antrag bis 30. Juni sichert die Privilegierung für das folgende Jahr. Die Strompreiskompensation (Carbon Leakage) wird bei der DEHSt beantragt, der Antrag bis 30. Juni gilt für das vorangegangene Abrechnungsjahr. Beide Fristen sind Ausschlussfristen: Wer sie versäumt, verliert den Anspruch für diesen Zeitraum ersatzlos.
Was ist mit der Meldepflicht nach § 19 StromNEV gemeint?
Letztverbraucher, die den bezogenen Strom ausschließlich selbst verbrauchen und nicht an Dritte weitergeben, können ab einem Jahresverbrauch von 1 GWh eine reduzierte § 19-Umlage in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist die jährliche Meldung an den Netzbetreiber, dass kein Strom an Dritte weitergegeben wird. Wer diese Meldung versäumt, zahlt die volle Umlage, auch wenn die sachlichen Voraussetzungen erfüllt wären.
Für wen lohnt sich eine systematische Umlagenprüfung?
Vor allem für Unternehmen mit einem Jahresstromverbrauch ab 500.000 kWh und einer ausgeprägten Fertigungstiefe. Je höher der Stromverbrauch und je größer die Bedeutung der Stromkosten für die Wertschöpfung, desto mehr Entlastungsmechanismen kommen in Frage. Auch kleinere Betriebe sollten die Konzessionsabgabe prüfen lassen.
Was ist der Industriestrompreis und wer kann ihn beantragen?
Der Industriestrompreis ist seit 2026 ein reales Förderinstrument. Auf Basis des EU-CISAF-Rahmens (verabschiedet Juni 2025) und des CDU/CSU-SPD-Koalitionsvertrags erhalten stromkostenintensive Unternehmen eine Subvention von bis zu 5 ct/kWh auf 50 % ihres Jahresstromverbrauchs. Berechtigt sind Unternehmen in 91 Sektoren der KUEBLL-Teilliste 1 mit einem Jahresverbrauch ab 1 GWh. Als Gegenleistung müssen mindestens 50 % der erhaltenen Fördersumme innerhalb von 48 Monaten in Dekarbonisierungsmaßnahmen investiert werden. Zuständige Behörde ist das BAFA.
Kann ich Industriestrompreis und Strompreiskompensation gleichzeitig beantragen?
Nein. Industriestrompreis (ISP) und Strompreiskompensation (SPK) schließen sich für dasselbe Unternehmen im selben Abrechnungsjahr gegenseitig aus. Welches Instrument vorteilhafter ist, hängt vom Einzelfall ab, insbesondere von der Produktionsmenge, dem Strombezug und dem aktuellen EUA-Preis. Wir prüfen für Sie, welche Option die höhere Entlastung bringt.
Alle Umlagen auf den Prüfstand
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